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Das Fanal am 18. August 1976:
In der DDR verbrennt sich der
Pfarrer Oskar Brüsewitz
öffentlich aus Protest gegen die Unterdrückung
der Christen im Sozialismus

Inhalt:

Der Druck wird stärker —
die Haltung der Kirche zu Oskar Brüsewitz

Der Rat des Kreises Zeitz hatte kontinuierlich mit scharfen Protesten gegenüber Superintendent Dr. Martin Bauer wie gegenüber dessen Nachfolger Joachim Hildebrandt reagiert. Wiederholt wurden diese Proteste an den Rat des Bezirkes Halle weitergeleitet, der seinerseits gegenüber der Magdeburger Kirchenleitung Beschwerde führte.

Die Beschwerdemuster hatten sich eingeschliffen: Immer wieder wurden Aktionen von Brüsewitz als "verrückt" bezeichnet und seine Disziplinierung gefordert.

Ebenso kontinuierlich hat die Kirchenleitung diese Beschwerden als Überreaktion örtlicher Stellen heruntergespielt. Sie hat Brüsewitz wiederholt gebeten, offene Provokationen zu vermeiden, hat sich aber stets schützend vor ihn gestellt.

Der 1. Stellvertreter des Vorsitzenden des Rates des Kreises Zeitz, Herr Anders, am 22. März 1976 an den "Werten Genossen Pöhner":

"Anläßlich der Beisetzung des Genossenschaftsbauern Emil Blechschmidt am 9.3.1976 hat o.g. (Brüsewitz) in seiner Grabrede folgendes zum Ausdruck gebracht:

‘Blechschmidt hat jetzt seine Ruhe gefunden und hinter ihm liegt nun Not und Elend. Erst kam die französische Revolution, dann die russische, dann die bolschewistische Revolution, dann die faschistische Revolution, alle gingen unter, aber die siegreiche Kirche lebt weiter. Der Kommunismus hat seinen Stillstand erreicht, hat sein Ende gefunden, Christus marschiert. Die Bodenreform heiße ich nicht gut, weil es eine Zwangsvollstreckung war.

Es wird auf Erden kein Friede sein, weil die Russen in unseren Wäldern leben. Hier Russen, dort Amerikaner, alle bringen Unruhe unter die Menschen...’

Die Anwesenden waren über ein solches Verhalten empört. Brüsewitz hat auch in der Vergangenheit wiederholt ähnliche Situationen provoziert...

Aufgrund der sich häufenden Probleme und des letzten Vorkommnisses bitten wir Dich, mit der Kirchenleitung die notwendigen Schritte einzuleiten. Der ‘Bürger’ ist in seiner Funktion nicht mehr tragbar."

Theo Pöhner, Stellvertreter des Vorsitzenden des Rates des Bezirkes Halle für Inneres, leitete diese Beschwerde am 31. März 1976 an den Staatssekretär für Kirchenfragen Seigewasser, weiter:

"Wir haben vorgesehen nach entsprechender Untersuchung der Angelegenheit, gegen Brüsewitz über Propst Bronisch, Naumburg, bis hin zur Kirchenleitung der Ev. Kirche der Kirchenprovinz Sachsen entsprechende Maßnahmen zur Ablösung einzuleiten".

Die Schwierigkeiten vor Ort wachsen

In den Dörfern des Pfarrsprengels Rippicha sind die Gottesdienste wieder leerer geworden. Die besonderen Aktionen von Oskar Brüsewitz brachten kurzfristig Aufmerksamkeit, aber keine nachhaltige Verlebendigung der Gemeinde.

Etliche Bürgerinnen und Bürger überlegten sich, ob sie es sich leisten könnten und wollten, mit den Provokationen von Oskar Brüsewitz identifiziert zu werden. Die Gegenreaktionen der Partei zeigten Wirkung.

Im Kirchenkreis mehrten sich Rückfragen an die so eigenwillige Führung des Pfarrdienstes durch Oskar Brüsewitz. Wie stand es mit der Erfüllung der Pflichten eines Pfarrers zur korrekten Verwaltung? Die Reparaturkosten für seinen Dienst-PKW schwollen auf die damals ungeheure Summe von 10.000 DDR-Mark an – Resultat der unsachgemäßen Behandlung des Wagens. Es bedurfte der Klärung, ob solche Summen alle aus der Kasse des Kirchenkreises bezahlt werden mußten.



©2005 Brüsewitz-Zentrum e.V.