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Leben und Wirken von Pfarrer Oskar Brüsewitz
Die Wirren des 2. Weltkriegs haben Oskar Brüsewitz’ Lebensweg gezeichnet:
Geboren am 30. Mai 1929 im Memelgebiet. Der 2. Weltkrieg beendet seine Schulzeit
mit einem Not-"Abschluß" zur Konfirmation Ostern 1943, er ist damals 14 Jahre alt.
In den Kriegswirren flüchtet die Familie nach Melle. Hier machte er sich
selbständig und legte als jüngster Schuhmacher Niedersachsens seine Meisterprüfung ab.
Nach dem Krebstod seiner Mutter 1949 flüchtet sich er sich 1951 in eine Ehe
mit Resi Heinisch aus Bremen. Nach einem Umzug nach Hildesheim und der Geburt der
Tochter Renate am 15.6.1952 entfremden sich die Eheleute jedoch bald, die Ehe wird
geschieden. Brüsewitz nimmt die Schuld auf sich und überläßt seiner
Frau den erarbeiteten Besitz, wird später jedoch zur Zahlung von Unterhalt verurteilt.
Nach dieser ernsten Krise will Oskar Brüsewitz einen "neuen Anfang wagen".
Praktisch mittellos und von Magengeschwüren gepeinigt, wird er 1954 in Weißenfels
Kontrolleur in einer Schuhfabrik.
Hier wird erstmals der Wunsch des innerlich aufgewühlten Oskar Brüsewitz
deutlich, das Evangelium zu verkünden. Doch sein Studium in der Predigerschule
der Lutherstadt Wittenberg endet wegen des Magenleidens bereits nach wenigen Wochen.
Brüsewitz macht sich daher in Leipzig als Schuhmacher selbständig. Er ist
so erfolgreich, daß er bald 10 Angestellte beschäftigt.
Im November 1955 heiratet Oskar Brüsewitz in Leipzig die Krankenschwester Christa
Roland. Seine 2. Ehe beschreibt er 1973 in einem Brief als "Geschenk Gottes".
Seine aufrichtige und engagierte Art trägt ihm bereits in Leipzig zunehmend
Schwierigkeiten mit dem Staat ein. Das Schaufenster seines Betriebes mit einer biblischen
Darstellung wurde nachts mit Farbe zugeschmiert, der Aushangkasten mit christlichen
Schriften zerstört. Ein Grundstück in der Nähe, das er pachtet und mit
einem Schild als "Evangelischen Jugendspielplatz" ausweist, wird von der Kirchengemeinde
nicht genutzt, weil man vor einer Konfrontation mit der Partei Angst hat.
1956 beginnt das Minsterium für Staatssicherheit der DDR (kurz: Stasi) mit der
Überwachung des ihr aus kommunistischer Sicht "gefährlich" erscheinenden
Pfarrers Oskar Brüsewitz.
1959 erkrankt Brüsewitz erneut: Er erleidet drei Herzanfälle und m
öglicherweise sogar einen Herzinfarkt. Nach der einjährigen Genesungszeit
ist an eine Wiederinbetriebnahme seiner Werkstatt nicht mehr zu denken. Die Familie
zieht daraufhin 1960 nach Weißensee. Dort übernimmt die Stasi-Kreisdienststelle
Sömmerda die Überwachung. Brüsewitz merkt das: Er fühlt sich
von "Partisanen gejagt".
Mit seiner neuen Werkstatt, aus Raummangel in einem ausrangierten Eisenbahnwaggon
eingerichtet, hat er großen Erfolg. Doch 1963 wird sie in eine
Produktionsgenossenschaft (PGH) "überführt", Brüsewitz fühlt sich
dadurch eingeschränkt und nicht mehr unabhängig. Er betätigt sich
daraufhin in der Kirchengemeinde noch aktiver und übernimmt neben der Jugendarbeit
den undankbaren Auftrag des Kirchensteuer-Einnehmers.
Brüsewitz organisiert Evangelisationswochen im Kirchenkreis Sömmerda,
die in der bereits stark atheistischen Atmosphäre von der örtlichen
SED-Parteiführung als Provokation empfunden werden, aber ein deutlicher Missionserfolg
sind. Doch Brüsewitz, dessen Gabe für die Evangelisation deutlich wird,
ist nicht zufrieden. In seine Familienbibel schreibt er 1964:
"Wir sind schon vier Jahre in Weißensee. Eine wüste Stadt ohne Gott.
Der Bolschewismus hat hier gesiegt. 4000 Menschen sind zu Sklaven geworden.
Oh Herr Jesus, rette Du diese Stadt und laß mächtige Boten Dein Wort verkündigen."
Oskar Brüsewitz ausgefallene und originelle Ideen, die er vorher nie jemanden
mitteilte und die er stets alleine verwirklichte, machen ihn bekannt. Wie
alttestamentliche Propheten sucht er das Evangelium zu veranschaulichen und
mit symbolhaften Aktionen plastisch darzustellen.
Ein Schaukasten in Weißensee, in dem ein Kreuz aus Neonröhren einen
Globus (der sich auf einem Plattenspieler drehte) und das Christuswort "Ich bin der
Erste und der Letzte und der Lebendige" (Offenbarung 1, 17-18) beleuchtet, wird nachts,
wie andere andernorts auch, von der Volkspolizei entfernt.
Sein persönlicher Boykott einer "Wahl" und sein öffentlicher
Kommentar ("Ich habe schon gewählt, nämlich Christus") führen zu einer Hausdurchsuchung.
In dieser Zeit beginnt die Stasi, sich intensiver mit Brüsewitz zu beschäftigen:
Die Bezirksverwaltung Erfurt legt einen "Vorlauf-Operativ" über ihn an. Unbedingt
müsse verhindert werden, daß Brüsewitz zu einem "Märtyrer" werde, heißt es
schon damals in den Stasi-Akten. Ein Pfarrer ("Inoffizieller Mitarbeiter (IM) "Eckstein")
informiert die Stasi über den unbequemen Prediger.
Unterstützt vom Superinten-denten und vielen Pfarrern des Kreises Sömmerda,
die seinen Glaubensernst schätzen, bewirbt er sich 1964 um Aufnahme in die Predigerschule Erfurt.
Das Studium ist für den 36jährigen wegen seiner ungenügenden Schulbildung
eine schwierige Prüfung, die er aber dennoch im Frühjahr 1969 erfolgreich abschließt.

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