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Die Kirchenpolitik der SED
vor dem Tod von Brüsewitz
Bis 1969 war die "Evangelische Kirche in Deutschland" eine Klammer zwischen beiden deutschen Staaten. Die Landeskirchen in der DDR haben (angesichts der neuen DDR-Verfassung!) 1969 diese organisatorische Verbindung aufgekündigt. Die kirchliche Gemeinschaft zwischen Ost und West wurde unter erschwerten Bedingungen aufrechterhalten.
In den Jahren darauf entwickelte der Bund evangelischer Kirchen in der DDR die Formel "Kirche im Sozialismus": "Eine Zeugnis- und Dienstgemeinschaft von Kirchen in der DDR wird ihren Ort genau zu bedenken haben: in dieser so geprägten Gesellschaft, nicht neben ihr, nicht gegen sie".
Nach der KSZE-Schlußakte von Helsinki 1975 wollte der neue SED-Generalsekretär Erich Honecker den IX. Parteitag 1976 nutzen, um der SED mit einem neuen Parteiprogramm Schwung zu verpassen und die "Entwicklung der sozialistischen Gesellschaft voranzubringen". Im öffentlich diskutierten Entwurf des Parteiprogramms fehlten allerdings die Grundrechte "Glaubens- und Gewissensfreiheit" — sie wurden erst nach Protesten in das Programm aufgenommen. Außerdem sollte der Bau von Kirchen in Neubaugebieten erlaubt werden.
Zugleich aber bestätigte und verschärfte der Parteitag die "führende Rolle der SED" und die "Diktatur des Proletariates". In der Bildungspolitik ging es um die "Entwicklung der sozialistischen Persönlichkeit" – und die mußte atheistisch sein. Die Kirchen fühlten sich angesichts dieser massiven staatlichen Einwirkung aufgerufen, in einer Kanzelabkündigung ihre Position dagegenzuhalten.
Es war dieses marxistisch-leninistische Menschenbild und die kommunistische Erziehung der Kinder, einschließlich des Wehrkundeunterrichtes, gegen das Brüsewitz aufbegehrte.
Pfarrer Pappe, der Brüsewitz nahe stand, beschreibt diese Zeit so:
"Nach 30jährigem zermürbenden Stellungskrieg zwischen evangelischer Kirche in der DDR und dem Staat ... waren Pfarrer und Gemeinden zermürbt und der Resignation nahe. Das Bedürfnis, sich miteinander zu arrangieren, war längst zur allgemeinen Lebensphilosophie geworden... Es ging um das Überleben der Kirche und der Gemeinden in einem Staat, der ihnen grundsätzlich das Lebensrecht absprach. Das kirchliche Leben ganzer Landstriche war verödet oder auf minimale Reste geschrumpft".
Im DDR-Staatssekretariat für Kirchenfragen wurde in dieser Zeit eine "heftige Polarisierung der kirchlichen Kräfte" festgestellt. Deshalb wurde im Juli 1976 angeordnet, in allen kirchenpolitischen Fragen künftig so zu entscheiden,
"daß die vernünftigen Kräfte gestärkt und reaktionäre geschwächt werden".
In diesem Licht muß der zunehmende Druck auf die Kirchenleitung gesehen werden, Brüsewitz aus Rippicha zu entfernen.
Über den Magdeburger Bischof Krusche meinte die SED damals, daß er ständig beteuere, "mit seiner Kirche eine positive und konstruktive Haltung zur DDR einzunehmen, während er in Wahrheit sie als Sammelbecken für oppositionelle Kräfte und als Instrument der Umwandlung des realen in den wirklichen Sozialismus ausbauen möchte."
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