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Die Pfarrstelle in Droßdorf-Rippicha
Brüsewitz erhält die Pfarrstelle in Droßdorf-Rippicha, die lange vakant gewesen war, weil der Vorgänger resignierend fortgegangen war: die Kirche hatte hier keine Bedeutung gehabt. Doch Brüsewitz gewinnt bald die Anerkennung der Einwohner, auch weil er bei den dringend nötigen Renovierungen kräftig selbst Hand anlegt.
Brüsewitz' Missions-Eifer und seine einfallsreichen, nie langweiligen Gottesdienste führen bald wieder zu einem lebhaften Gemeindeleben. Brüsewitz erwirbt sich den Ruf, eines "Pfarrers, mit dem man reden kann".
Besonders kümmert er sich um die Jugendlichen und um die Kranken im nahen Sanatorium in Ossig.
Symbol für das Wirken von Brüsewitz im Kreis ist das drei Meter hohe Neon-Kreuz auf dem Kirchturm, das die Autofahrer auf der zwei Kilometer entfernten Bundesstraße 2 (damals "F 2") grüßte. Trotz massivster Drohungen der staatlichen Organe wurde es bis zu seinem Tod nicht entfernt.
Seine Aktivität für Christus bringt Brüsewitz jedoch die immer unverhohlenere Feindschaft der staatlichen Stellen ein.
Ein Jahr nach seinem Dienstbeginn in Rippicha erhält der Stasi-IM "Romeo", eine Mitarbeiterin der Kirche, zusammen mit anderen IM den Auftrag, Brüsewitz zu bespitzeln.
Im Herbst 1970 kommt es zu einer Zuspitzung: Der Rat des Kreises droht dem Superintendenten, daß ein Ermittlungsverfahren wegen "Staatsverleumdung und Hausfriedensbruch" gegen Pfarrer Brüsewitz eingeleitet werden könnte. Es wäre auch möglich, Brüsewitz in eine Nervenklinik einzuliefern ...
Brüsewitz schreibt damals:
"Ich habe in den vergangenen Jahren schwere Stürme erlebt. Immerhin ist uns ein großer Einbruch in das Reich der Dämonie und der Finsternis gelungen. Wir haben den ganzen Kreis gestürmt..."
Brüsewitz ist ein kämpferischer Pfarrer, für ihn gibt es kein Taktieren mit der politischen Obrigkeit, kein Nachgeben in Glaubensfragen, keine Kompromisse.
Seine Kritiker und Gegner - auch in der eigenen Kirche - werfen ihm deshalb Sturheit vor. Seine Gemeinde, und vor allem die Jugend, bewundert dagegen weitgehend seinen Mut. Für ihn aber ist es schlicht "Gottvertrauen". Und trotz seiner Kompromißlosigkeit gegenüber dem "Bolschewismus" ist er weder ein primitiver Anti-Kommunist noch verschlossen gegenüber politisch Andersdenkenden.
Er empfindet sich nicht als Gegner der DDR und ihrer Obrigkeit. Im Unterschied zu etlichen Amtsbrüdern lehnt er aber die Konzeption "Kirche im Sozialismus" ab.
Im Gespräch auch mit Vertretern des DDR-Staates zeigt er sich sicher: Eines Tages werde man morgens aufwachen, und dann ist es mit dem Kommunismus zu Ende, sagt er ganz offen.
Als Pfarrer handelt er deshalb nach der Devise:
"Wir warten nicht auf den Kapitalismus, wir warten nicht auf den Sozialismus, sondern auf das Reich Gottes!"
Mancher Amtsbruder lächelt deshalb insgeheim über den "Schuhmachermeister", der von theologischen Diskussionen nicht viel hält und statt dessen fragt:
"Wer ist bereit, mit mir den Kirchenkreis für Jesus Christus zu gewinnen?"
Bekannt wurden neben dem Neon-Leuchtkreuz am Kirchturm seine Plakat-Aktionen. So reagierte er auf SED-Plakate "25 Jahre DDR" mit der Losung "2000 Jahre Kirche Jesu Christi".
Doch 1975/76 bewundern zwar viele Menschen seinen Mut, wagen es aber wegen der zunehmenden Härte der staatlichen Reaktionen nicht mehr, sich zu ihm zu bekennen.
Die Kirche wird leerer, die früher große Zahl der Kinder, die zu ihm kommen (oder kommen dürfen), wird kleiner.
Auch die älteste Tochter von Brüsewitz wird von der SED "abgestraft": Obwohl sie das beste Zeugnis hat, darf sie nicht die Erweiterte Oberschule besuchen.
Großes Aufsehen erregte er 1975 mit einer Fahrt per Pferdefuhrwerk von Rippicha nach Zeitz: Auf dem Wagen hatte er den Spruch angebracht: "Ohne Regen, ohne Gott, geht die ganze Welt bankrott" - eine Replik auf den SED-Spruch "Ohne Gott und Sonnenschein bringen wir die Ernte ein". Weil die Volkpolizei ihn erst mitten in der Stadt stoppte und dadurch einen Stau verursachte, lachte die ganze Stadt über die Blamage der Staatsmacht.
Zu einer Enttäuschung wurde 1976 eine Bibelwoche in Wildschütz. Auf dem Dach hatte er ein Transparent befestigt: "Heute wird in Wildschütz das Reich Gottes verkündet" (andere Quellen sagen, es habe geheißen: "Der liebe Gott wohnt heute in Wildschütz"). Unter den Jugendlichen organisiert er zunächst ein Fußballspiel und verspricht denjenigen, die die meisten Freunde mit zur Bibelstunde bringen, die mitgebrachten Tiere: zwei Lämmer und einen Hahn.
Die Aufmerksamkeit, die diese ungewöhnliche Aktion erweckt, ruft die Volkspolizei auf den Plan, die Brüsewitz an Ort und Stelle verhört und das Vorhaben damit beendet. Enttäuscht über die mangelnde Unterstützung der Christen in Wildschütz muß Brüsewitz schließlich zurückkehren.
Aus einem kirchlichen Zeugnis über Pfarrer Oskar Brüsewitz
"Seine Art zu predigen ist unkonventionell. Das war zunächst für den ständigen Kirchenbesucher eine Schwierigkeit, aber seine Art ist anschaulich und gut.
Er versteht es, durch Bilder und auch durch kleine Handlungen im Gottesdienst, etwa durch Kinder, den Gottesdienst zu beleben und anziehend zu machen. Infolge seiner unbekümmerten Art wagt er manches, was ungewöhnlich ist und staunend macht...
Seine Stärke liegt nicht in den notwendigen Amtsdingen. Da ist es gut, wenn ihm jemand beisteht. Aber sie liegt im Umgang mit den Menschen und im persönlichen Gespräch.
Dabei ist er kein Fanatiker, er spricht völlig ruhig und ist mit wenigen Worten schon bei den Fragen, an die man als Pastor gerne heran möchte, aber oft schwer herankommt.
Er hat einen Blick für das Notwendige und packt es an, getrieben von einer großen Liebe zur Kirche und aus seiner unkomplizierten Frömmigkeit.
Er legt besonderen Wert auf Jugendarbeit und hat eine besondere Anziehungskraft auf junge Menschen."
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