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Das Fanal am 18. August 1976:
In der DDR verbrennt sich der
Pfarrer Oskar Brüsewitz
öffentlich aus Protest gegen die Unterdrückung
der Christen im Sozialismus

Inhalt:

Der Rat zum Pfarrstellenwechsel

Der Kreiskirchenrat Zeitz beschloß am 10. Dezember 1975, im September 1976 in Rippicha eine Visitation durchzuführen. Eine Visitation ist ein Besuchsdienst in den Gemeinden, um Erfahrungen aufzunehmen, zu reflektieren und gegebenenfalls Schwierigkeiten zu klären. Sie ist ein Akt verbindlicher Gemeindeberatung – verbunden mit der präzisen Durchsicht der Vermögensverhältnisse, des Gebäudezustandes und der Finanzverwaltung.

Obwohl Oskar Brüsewitz wußte, daß eine solche Visitation Hilfsangebot und geschwisterlicher Dienst ist, hat er sie als Bedrohung empfunden.

Die Kirchenleitung konnte der Eskalation der Probleme nicht tatenlos zusehen. Die Beschwerden der Staatsorgane zeigten, daß mit einer wachsenden Polarisierung und Konfrontation im Kreis zu rechnen war. Wer hätte helfen können, künftige, größere Konflikte zu vermeiden? Gab es Möglichkeiten, Oskar Brüsewitz selbst zu helfen?

Die Kirchenleitung hat weder Disziplinarmaßnahmen ergriffen noch ein Versetzungsverfahren eingeleitet. Zwischen Bischof Krusche, Propst Bäumer und dem Konsistorium wurde verabredet, Brüsewitz den Wechsel seiner Pfarrstelle zu empfehlen: Ein Neubeginn an anderer Stelle könnte vielleicht Chancen bringen.

Am 23. Juli 1976 fuhr Propst Bäumer nach Rippicha, um dies mit Brüsewitz zu besprechen. Friedrich-Wilhelm Bäumer berichtet:

"In meiner Erinnerung bleibt dieses Gespräch davon bestimmt, daß wir in aller Offenheit über die verschiedenen Zusammenhänge unseres Anliegens sprechen und dabei abwägen konnten, wie wir uns verhalten sollten. Sowohl die Verhältnisse in Gemeinde und Kirchenkreis als auch die Auseinandersetzungen mit den staatlichen Organen sind zur Sprache gekommen, natürlich auch die Forderung einer Versetzung, die der Rat des Bezirkes Halle an die Kirchenleitung gerichtet hatte... Ich kann mich nicht daran erinnern, daß Bruder Brüsewitz grundsätzliche und schwerwiegende Einwände geäußert hat... Das Angebot eines Neuanfanges an anderem Ort wurde nicht abgewiesen. Er versprach, sich bald mit den in Aussicht genommenen Pfarrstellen zu befassen..."

Hätte man ahnen können oder müssen, daß Oskar Brüsewitz diese Empfehlung zum Pfarrstellenwechsel nicht verkraften würde?

Aus der Rückschau des Jahres 1993 schreibt Richard Schröder (Berlin), der 1976 Pfarrer in Wiederstedt bei Eisleben war:

"Ich frage mich: Was hätte ich Brüsewitz in seiner Situation geraten? Ich hätte ihm einen Pfarrstellenwechsel empfohlen. Aber genau das wollte doch die Stasi! Allerdings. Trotzdem hätte ich den Rat gegeben – aus Sorge um den Mann selbst. Wenn zwei dasselbe wollen, müssen sie deshalb noch lange nicht dieselben Gründe haben".

Brüsewitz im Zielkreuz der Stasi

Kaum ist Brüsewitz 1969 als neuer Pfarrer in Rippicha eingezogen, da beginnt die Stasi auch in diesem Kreis mit der Bespitzelung des ihr schon lange gefährlich erscheinenden Mannes.

Als eine der ersten erhält die Zeitzer Kirchenmitarbeiterin IM "Romeo" am 11. Februar 1970 den Auftrag, "das weitere Auftreten und Verhalten" von Pfarrer Brüsewitz zu beobachten und "hierzu konkrete Informationstätigkeit" zu entfalten.

1974 wird speziell zur "operativen Kontrolle des Pastors Brüsewitz" der IM "Willy Koch" in Droßdorf geworben. Sie soll ausspionieren, welche Menschen aus dem Dorf Verbindungen zu Brüsewitz haben, "welche Aktivitäten Brüsewitz entfaltet, welchen Einfluß er auf wen hat". Ein weiterer IM, "Hans Richter", soll Brüsewitz dazu bewegen, freiwillig die DDR zu verlassen.

In Rippicha beobachtet ein IM von seinem Wohnungsfenster aus, was Brüsewitz in Kirchhof und Pfarrhaus tut, und berichtet es der Stasi umgehend weiter. Der IM "Hänsge", eine Kirchenmitarbeiterin, berichtet aus dem Kirchenkreis die kirchlichen Reaktionen auf Brüsewitz´ Probleme.

Und der Führungs-IM "Gerhard" klärt nicht nur den Gemeindekirchenrat Zeitz-Aue und vor allem den Brüsewitz eng verbundenen Pfarrer Meckel auf, sondern soll gezielt "Wahrheiten, Unwahrheiten und Gerüchte über den Lebenswandel" verbreiten. Auch anonyme Briefe an die Kirchenleitung gehören zum Repertoire der Stasi, um Brüsewitz und seinen Amtskollegen das Leben schwer zu machen.

Die Stasi ist über die Magdeburger Kirchenleitung bestens informiert durch den IM "Detlev", der dort als Mitglied des Konsistoriums tätig ist.



©2005 Brüsewitz-Zentrum e.V.