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Todeskampf und Beerdigung
Der schwer verletzte Brüsewitz wird zunächst in das Zeitzer Krankenhaus gebracht, bald darauf jedoch – auf Anweisung der SED-Kreisleitung – nach Halle-Döhlau auf die Intensivstation des Bezirkskrankenhauses überwiesen. Dort werden seine Äußerungen, die er in wachen Augenblicken bis zu seinem Tod am 22. August macht, von der Stasi auf Tonband festgehalten. Seine Frau darf ihn, obwohl sie selbst Krankenschwester war, auf Anweisung der Stasi nicht besuchen.
Die Beerdigung findet am Donnerstag, 26. August 1976, in Rippicha statt.
Pfarrer Hartmut Bartmuß, der damals zur Sächsischen Landeskirche gehörte, erinnert sich:
"Auf der Autobahn zwischen Karl-Marx-Stadt (heute wieder Chemnitz) und Gera erfolgte die erste Kontrolle. Volkspolizisten – zum Teil in Stahlhelm und mit Maschinenpistole ! – kontrollierten die Ausweise.
Auf der Fernverkehrsstraße 2 erfolgte die nächste Kontrolle. Sie wurde als "Verkehrs- und Fahndungskontrolle" ausgegeben. Der Ausweis und die Fahrzeugpapiere wurden in einen Kleinbus der Volkspolizei gereicht, wo Polizistinnen die Personalien der Reisenden notierten.
Auf die Frage, ob die Fahrt fortgesetzt werden dürfte, antwortete ein Polizist: "Sie dürfen auf jeden Fall weiterfahren." Offenbar sollten kirchliche Amtsträger nicht an der Weiterfahrt gehindert werden. Bereits wenige Kilometer weiter, vor Droßdorf-Rippicha, erfolgte eine weitere Kontrolle. Am Beerdigungsort war zu erfahren, daß alle Beerdigungsteilnehmer solche Überprüfungen hinter sich hatten. Die Busreisenden wurden in Zeitz fotografiert.
Wir begegneten gefaßten Menschen. Darunter auch der ältesten Tochter von Amtsbruder Brüsewitz, die trotz eines Notendurchschnitts von 1,0 nicht zum Medizinstudium zugelassen worden war.
Die mit Talar erschienen Amtsträger versammelten sich im Gemeindesaal zum Umkleiden und wurden dort von Propst Bäumer belehrt. Er sagte, der Staat hätte die Kirche für alle eventuellen Zwischenfälle verantwortlich gemacht. So wurde angewiesen, daß nur die Amtsträger des Kirchenkreises Zeitz ein biblisches Votum am Grabe sprechen dürften. Auch zum Abschied in der Kirche dürften nur Glieder des Pfarrkonvents. Rund 80 Pfarrer und Pfarrerinnen im Talar geleiteten dann die Familie Brüsewitz zum Gottesacker, außerdem 3 katholische Geistliche in Amtskleidung.
Alle anderen hatten draußen zu warten. Dies traf auch für die katholischen Amtsbrüder zu. Ein kurzes Bibelwort und ein Gebet leiteten den stillen Abschied in der Kirche ein, in der Pfarrer Brüsewitz die Botschaft von der Gnade Gottes in Christus verkündet hatte und wo er die Sakramente spenden durfte.
Der Friedhof war schwarz von Menschen. Uniformierte wurden nicht gesehen. Zu sagen hatte das freilich nichts. Da auf dem Friedhof auf staatliche Anordnung hin nicht gefilmt werden durfte, filmte das ARD-Kamera-Team vom Dach ihres Fahrzeuges aus, das an der Friefhofsmauer stand.
Es wurden, wie vor der Beerdigung zu hören war, etwa 1.500 Liedzettel verteilt, worauf unter anderem das Lied "So nimm denn meine Hände" (sein Lieblingslied) stand."
Predigt von Propst Bäumer am 26.8.1976 in Rippicha
Die Trauerpredigt hielt Propst Bäumer aus Magdeburg. Der Bischof befand sich auf einer Dienstreise in Tansania und erschien nicht zur Beerdigung.
Predigttext: Offenbarung 1, 17-18:
"Jesus Christus spricht: Fürchte Dich nicht! Ich bin der ERste und der Letzte und der Lebendige. Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel der Hölle und des Todes’.
Ich weiß, daß unser Bruder für Ihn leben wollte. Darum müssen wir heute mit Ihm rechnen und müssen uns Ihm stellen, wenn wir heute unserem Bruder den letzten Dienst zu tun haben.
Aber wir haben Fragen, unruhige, leidenschaftliche Fragen. Und wo immer Antworten versucht werden, bleiben sie doch in den halben Wahrheiten und den Rätseln, die der andere uns mit seinem Wesen stellt, stecken."
Aus dem am Grab verlesenen Lebenslauf:
"Oskar Brüsewitz war Pfarrer unserer Kirche. Wir wissen, wie ernst er den Auftrag, das Evangelium zu verkünden, verstanden hat. Wir haben in unserer Kirchenleitung erklärt, daß wir seiner Tat nicht zustimmen können, weil allein Gott der Herr uns Leben und Auftrag wieder nehmen kann.
Aber wir distanzieren uns von dem Menschen und Bruder nicht. Wir befehlen ihn, tief getroffen in unserer eigenen Existenz als Christen, der Barmherzigkeit unseres Erlösers Jesus Christus."
Reaktionen
Eine der ersten Informationen über das schreckliche Ereignis, die im Westen eintrafen, war die Postkarte von Pfarrer Meckel, Zeitz-Aue, die bei Pfarrer Desel in der Patengemeinde Hofgeismar bei Kassel eintraf.
Nur wenige Informationen gelangten in den ersten Tagen an westliche Nachrichtenagenturen und Zeitungen.
Drei Tage nach der Selbstverbrennung nahm die Kirchenleitung offiziell Stellung. Mutig widersprach sie den ersten Verleumdungen der staatlich gelenkten DDR-Presse, es handele sich um die Tat eines "abnormal und krankhaft veranlagten Menschen" (so hatte das SED-Organ "Neues Deutschland" Brüsewitz bezeichnet):
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