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Die Verleumdung im "Neuen Deutschland"
Voller Menschenverachtung und unter übelster Verdrehung der Tatsachen "berichtete" das SED-Zentralorgan "Neues Deutschland" über die Selbstverbrennung und das Leben von Pfarrer Brüsewitz am 31. August 1976, nachdem das Thema nicht mehr verschwiegen werden konnte. Im gleichen Wortlaut (unter der Überschrift "Schamlose Hetze mit menschlichem Versagen") publizierte auch das Zentralorgan der Ost-CDU, "Neue Zeit", die Verleumdungen. Das Autorenkürzel "A.Z." (Agentur Zentralkomitee) deutet übrigens darauf hin, daß der Artikel direkt von der SED-Spitze kam.
Du sollst nicht falsch Zeugnis reden
Du sollst nicht falsch Zeugnis reden. Daran zu erinnern gibt es heute mehr denn je Anlaß. Doch jene, die dieses Wort verkünden und danach handeln sollen, schweigen betreten, oder sie reden falsch Zeugnis. Dazu gehört bedauerlicherweise die Leitung der Evangelischen Kirche der Bundesrepublik Deutschland. In einer ihrer jüngsten Verlautbarungen in der Angelegenheit des "Pfarrers" Brüsewitz mischte sie sich nicht nur grob in die inneren Angelegenheiten der DDR ein, sie verdrehte auch die Tatsachen. Der Selbstmord eines "Pfarrers", der nicht alle fünf Sinne beisammen hatte, durch Selbstverbrennung soll nicht nur dazu dienen, einen Märtyrer gegen den Kommunismus hochzustilisieren, sondern er wird auch zum Anlaß genommen, die gesellschaftliche Entwicklung in der Deutschen Demokratischen Republik wider besseres Wissen zu verleumden.
Wir haben bislang aus Gründen des Takts davon abgesehen, im Detail zu beschreiben, wer dieser "Pfarrer" Brüsewitz eigentlich war und wie er sein Amt betrieb. Angesichts der Bösartigkeit bundesrepublikanischer Kirchenfürsten ist eine solche Zurückhaltung nicht länger am Platze. Die Tatsachen sprechen für sich.
Brüsewitz, Jahrgang 1929, erlernte in der BRD den Beruf eines Schusters. Damit sei nichts gegen die Schuster gesagt, das ist ein ehrenwerter Beruf. 1953 kam Brüsewitz zum erstenmal aus der BRD in die DDR und ging wieder zurück. 1960 verließ er Weib und Kind und siedelte erneut in die DDR über. Nur die Rücksichtnahme auf seinen engen Kontakt zur Kirche hielt die DDR-Behörden davon ab, ihn wieder dorthin zurückzuschicken, wo er herkam. In der DDR studierte der Schuster von 1964 bis 1969 Theologie, wurde Vikar im Kreis Bitterfeld und danach Pfarrer in der Gemeinde Droßdorf-Rippicha. Ob er durch sein Studium seine Bildung erhöhte, mag man bezweifeln. In seltsamer Auslegung christlicher Lehr- und Leitsätze beschimpfte er Andersdenkende als "Gesinnungslumpen".
Ob er unter seinem General, zu dem er heimkehren wollte, Gott oder den BND verstand, wollen wir hier nicht näher erörtern. Seine Handlungen entsprachen sehr oft mehr den Geschichten von Karl May als den Geboten der Kirche. So stieg er beispielsweise während eines Hochwassers auf einen Traktor und verkündete die "Sintflut", die die Gottlosen vernichten werde. Im März 1976 fuhr er mit seinem Trabant durch den Kreis Hohenmölsen, am Auto die Losung "Funkspruch an alle – Der liebe Gott wohnt heute in Wildschütz, um 16 Uhr spricht zu euch der Pfarrer Brüsewitz." Im PKW führte er zwei Lämmer und einen Hahn mit, die er als Prämie demjenigen bot, der die meisten Kinder zu der Veranstaltung mitbringt. Ebenfalls im März 1976 soll er bei einem Fußballspiel mit Kindern weniger angehabt haben als eine Unterhose.
Gelegentlich spannte er sein Auto vor Pflug und Egge oder auch ein Pferd vor seinen Trabant, in dem er des öfteren mit Sturzhelm zu fahren pflegte. Als das Tier verendete, suchte er vergebens zur Verbrennung seines toten Gauls das Krematorium in Anspruch zu nehmen. Dafür trat er bei einer Beerdigung bewußt auf die Schleifen der niedergelegten Kränze, weil sie der letzte Gruß für den Toten von den Kollegen einer Genossenschaft waren. Zu beliebiger Tag- und Nachtzeit läutete er die Glocken seines Gotteshauses, dessen Turm er mit einem Kreuz aus Neonröhren dekoriert hatte. Während des Gottesdienstes ließ er Tiere durch die Kirche laufen, beim Erntedankgottesdienst Kaninchen vom Altar hüpfen. Im Sommer 1976 fuhr er mit einem Leiterwagen durch die Lande, an dem Losungen mit ominösen Ernteprognosen angebracht waren. In Anbetracht dieser krankhaften Verhaltensweisen und der geschilderten makabren Umstände war Brüsewitz schon lange – auch von Mitgliedern seiner Gemeinde und von Amtsbrüdern – als "ungewöhnlich", ja anormal und als geisteskrank bezeichnet worden.
Alle diese Tatsachen, die der Leitung der Evangelischen Kirche in der Bundesrepublik nicht unbekannt sind, werfen die Frage auf, was die Kirchenleitung der Bundesrepublik bewogen hat, für Brüsewitz – um die "Bild"-Zeitung zu zitieren – als "Streiter für die Freiheit der unterdrückten Kirche in der DDR" einzutreten. Er soll ein Zeichen gesetzt haben. Religiöse Motive können es nicht gewesen sein. Denn das Recht auf freie Religionsausübung ist durch die Verfassung unserer Republik garantiert und wird tagtäglich praktiziert.
Der Bund der Evangelischen Kirche in der DDR zählt rund 4.000 Pfarrer, die Katholische Kirche hat über 1.300 Seelsorger. An sechs Universitäten gibt es Sektionen für Theologie. Allein von der evangelischen Diakonie werden 52 Krankenhäuser mit 7.000 Betten, 87 Heime für Behinderte, 280 Alters- und Pflegeheime mit 11.000 Plätzen sowie 112 Erholungsheime, 23 Kinderheime, 328 Kindertagesstätten mit etwa 17.000 Plätzen unterhalten, und was dergleichen Tatsachen mehr sind. Ganz davon zu schweigen, daß alle Kinder des Volkes in den Genuß der Oberschulbildung kommen. In der BRD gibt es das nur für die Kinder der begüterten Schichten.
Der sozialistische Staat sichert die Gleichberechtigung der Bürger unabhängig von rassischer und nationaler Zugehörigkeit, von Weltanschauung, religiösem Bekenntnis und sozialer Stellung. (Nebenbei gesagt erhielten auch die beiden Töchter von Brüsewitz die für unser Land charakteristische hohe fachliche und humanistische Bildung; die ältere Tochter steht in einem Lehrverhältnis an der medizinischen Fachschule in Erfurt.) Christen beider Konfessionen bekennen sich zu unserem Staat und nehmen aktiv am sozialistischen Aufbau teil.
Knapp gesagt, sind das alles Binsenwahrheiten. Aber den Machern der Hetze gegen die DDR geht es nicht um Wahrheit. Es geht ihnen vielmehr darum, sich fortgesetzt in die inneren Angelegenheiten unserer Republik einzumischen, einzelne irrezuleiten und zu mißbrauchen, ideologische Diversion zu betreiben und, wenn möglich, die DDR in der Welt madig zu machen.
Wo liegt das Motiv für die Hetze? Es liegt in der Furcht vor der positiven Entwicklung in der DDR, vor ihrer wachsenden Ausstrahlungskraft, ihren großen ökonomischen, kulturellen, sozialen und sportlichen Erfolgen. Bei uns gibt es keine Arbeitslosigkeit. Jeder Jugendliche bekommt eine Berufsausbildung. Allen ist soziale Sicherheit garantiert. Sie bewirkt eine optimistische Atmosphäre in sämtlichen Lebensbereichen. Unsere innere Entwicklung ist gekennzeichnet von der gemeinsamen Arbeit aller für gemeinsame Ziele, für das Wohl des ganzen Volkes. Was die Außenpolitik betrifft, so zielt sie konsequent und erfolgreich auf Frieden, Sicherheit und Zusammenarbeit im Geiste der Schlußakte von Helsinki. Innere und äußere Entwicklung haben zum Ergebnis, daß das internationale Ansehen der DDR als sozialistischer Staat weiter wächst.
Gerade das macht die Feinde des Sozialismus – jene, die von den Gebrechen der eigenen, der kapitalistischen Gesellschaft ablenken und dem guten Ruf der DDR schaden wollen – hochgradig nervös. In ihrer Gereiztheit benutzen sie alles und jedes, was ihnen geeignet erscheint, um einen Schatten auf die Wirklichkeit unseres gesellschaftlichen und staatlichen Lebens zu werfen. Natürlich ist das letztendlich aussichtslos. Wir nehmen aber sehr wohl zur Kenntnis, daß die Feinde der DDR ihr Geschäft ohne alle Rücksicht betreiben und daß sie in Ermangelung von Argumenten die Zuflucht zu Lügen und Verleumdung suchen.
Es erscheint im Zusammenhang mit unserem Thema nicht überflüssig, daran zu erinnern, daß es die BRD ist, die in der internationalen Selbstmordstatistik ganz weit oben steht, auch bei Selbstmorden durch Selbstverbrennung. Erst vor wenigen Tagen, am 28. August, erfolgte die Selbstverbrennung einer westdeutschen Krankenschwester, für die die westdeutsche Nachrichtenagentur DPA nur ganze drei Zeilen übrig hatte und der in den Zeitungen weder eine Balkenüberschrift noch ein Kommentar gewidmet war. Man weiß noch nicht einmal, ob es sich um eine evangelische oder eine katholische Krankenschwester handelte. Selbst bürgerliche Soziologen geben als Grund für die große Zahl von Selbstmorden in der BRD an, daß in der dortigen Gesellschaft Angst, soziale Unsicherheit und Ungewißheit des Kommenden die hauptsächlichen Ursachen sind.
Aber gerade solche Motive existieren in der DDR nicht. Was Brüsewitz tat, war ein Zeichen der Abwendung von einer gesunden und sich gesund entwickelnden Gesellschaft, von den Menschen und ihren Meinungen, von der Menschlichkeit, von den Werten des Lebens. Darum auch ist seine "Zeugenschaft", wie sie von den Massenmedien in der BRD jetzt zynisch hochgespielt wird, untauglich. In unserer Gesellschaft kann jeder nach seiner Fa?on selig werden. Als Wichtigstes gilt, daß jeder für sich, daß alle zusammen für die Gemeinschaft, die sozialistische Gesellschaft täglich neue Fortschritte schaffen. Diese Fortschritte sind, da sie dem Wohle aller dienen, zutiefst humanistisch. Sie fallen beschmutzend auf jene zurück, die sie aufpeitschen. A.Z."
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